Die neue Magento-Version zeigt, was sich zukünftig noch verändern wird. Der Cloud wird mehr Vorrang eingeräumt und die Open-Source-Mentalität bleibt – vorerst. Mehr zu Magento 2.3 in einem extra Beitrag.

Auf der ersten Magento Live Europe in Barcelona gab es wenig Überraschendes. Trotzdem hatten viele der Magento-Nutzer durchaus großes Interesse zu wissen, in welche Richtung Magento sich unter Adobe mit den zukünftigen Versionen entwickeln wird und was genau von Adobe erwartet werden kann.

Magento behält Open-Source-Kurs bei

Zunächst die positiven Nachrichten: der Unternehmenskurs bezüglich Open Source bleibt bestehen – vorerst. Gleichzeitig soll die Vermarktung der Cloud-Variante eine höhere Priorität erhalten, wohingegen die Enterprise-Version als zukünftige Onpremise-Version der Commerce-Cloud angeboten werden soll. Neben Open-Source-Inhalten werden aber weiterhin Funktionen und Features veröffentlicht, die nicht als Open Source, sondern nur in Verbindung mit der Commerce-Cloud erhältlich sind.

Magento als Adobes Eintritt in die KMU-Welt

Mit einem Anteil von etwa 90 Prozent, die dem KMU-Segment laut Magento-Vertreter zuzuordnen sind, hat sich Adobe mehr als nur eine Shopfunktionalität in seine bestehende Cloud gekauft. Vor allem kleinere und mittlere Händler machen die neu erworbene Kundenbasis aus, die sich zukünftig verstärkt mit der Priorisierung der Cloud-Version konfrontiert sehen wird. Während Adobe den Eindruck vermittelt, zufrieden mit dem Unternehmenszuwachs zu sein, lässt es gleichzeitig erkennen, dass diese Kunden erst später nennenswerten Umsatz für Adobe einbringen und bis dahin in ihrem Wachstum zu stärken sind – so die Meinung von Adobe Vertretern.

Ebenso werden die Nutzer der Community-Edition nicht auf volle Funktionalitäten der Adobe Cloud zugreifen können, da diese bisher nur der ehemaligen Enterprise-Version und der Commerce-Cloud vorbehalten sind. Für Adobe scheint die Zusammenlegung der kostenpflichtigen Adobe Cloud mit der Magento Community-Edition nicht lukrativ genug zu sein wie t3n kritisiert.

„Subscription-Modell“ für Umsatzsteigerung, statt „Enterprise-Syndrom“

Wie im Beitrag von t3n argumentiert wird, denkt Adobe mit seinem Vorgehen gegenüber des KMU-Segments mit der Fokussierung auf das Enterprise-Modell zu kurzfristig. Im Abverkauf der größeren Enterprise- beziehungsweise nun Onpremise-Versionen mit entsprechenden Clouds ließe sich für diese Produkte zwar der Umsatz steigern, doch würde die Hauptmasse der Nutzer davon ausgeschlossen werden. Macht Adobe reduzierte Funktionalitäten der kostenpflichtigen Inhalte per Subscription zugänglich, ließe sich der geringere Einzelproduktpreis durch die größere Menge an verkauften Produkten ausgleichen und somit letztlich den Gesamtumsatz längerfristig steigern. Es wird sich also zeigen, ob Adobe mittelfristig seinen bisherigen Ansatz im Umgang mit Magentos KMU-Segment überdenken muss.

Vollständige Marktplatz-Integrationen für jeden

Im Bereich Marktplätze kommt Adobe der Community entgegen und priorisiert diese, indem alle Magento-Versionen inklusive der kostenfreien mit einer ganzheitlichen Integration von Marktplätzen in den neuen Sales-Channels ausgestattet werden. Schon 2019 wird Amazon gänzlich integriert und kann über den Magento-Admin zentral verwaltet werden. Bei entsprechendem Erfolg sollen weitere Marktplätze folgen.

Für die Nutzer wird die Integration von Werbekanälen mit Amazon-Advertising und Google Shopping in Magento ein überragender Schritt. So können die Kampagnen von Amazon und Google-Produktanzeigen im Onlineshop verwaltet werden und mit dem Einspielen echter Umsatzzahlen sowie den Analytics-Funktionen bessere Bewertungen hinsichtlich Rentabilität erstellt werden. Wie umfangreich diese Integration sein wird, konnte Adobe leider noch nicht konkretisieren.

Abschließend kann für die Magento-Kunden eine positive Bilanz hinsichtlich der Änderungen unter Adobe gezogen werden. Das weitere Bestehen der Community-Version, die Fokussierung auf Marktplätze und Integration von Werbekanälen ist als sinnvolle Entwicklung zu bezeichnen. Inwiefern Adobe den Umgang mit dem großen KMU-Segment meistern wird, bevor es lediglich versucht kleinere Unternehmen soweit zum Wachstum anzuregen, bis diese sich die umfangreichen Onpremise-Versionen leisten können, wird sich noch zeigen. Für den kritischen Anteil dieses Beitrags ist dem ursprünglichen Artikel bei t3n.de zu danken.