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Bei der stetig wachsenden Zahl an Online-Shops ist es geschäftsentscheidend, aus der Masse hervorzustechen und das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Im Interview mit unserem UX-Designer Sven Greifendorf stehen wichtige Tipps und die Anforderungen beim Online-Shop-Design im Mittelpunkt.

Als kreativer Kopf erfreut unser UI-/UX-Designer Sven Greifendorf mit liebevoll gestalteten Online-Shop- und Website-Designs unsere Kunden. Im Interview steht uns Sven Rede und Antwort, was ein gutes Shop-Design für ihn ausmacht, woher er sich seine Inspirationen nimmt und wie er bei der Konzeption von Online-Shop-Designs vorgeht.

Sven, in deinem Job als UI-/UX-Designer musst du jeden Tag kreativ sein. Wo lässt du dich für deine Designs inspirieren?

Mein großes Vorbild ist Steve Jobs mit seinem Motto „think different“. Mir geht es beim Design vor allem um Einfachheit und Schlichtheit. Dabei halte ich minimalistisches Design für eine der schwierigsten Disziplinen, da man alles ganz bewusst auf das Wichtigste reduzieren muss. Aber auch das Alltägliche inspiriert mich, wann immer ich mich durch das Internet bewege und auf verschiedenste Funktionen klicke oder spannende Anreize auf der Plattform dribbble.com zur Inspiration nutze.
Profilbild Sven Greifendorf

Sven Greifendorf - UI-/UX-Designer

Ein Online-Shop ist viel mehr als nur eine nett angepinselte Idee, denn es nimmt stark Einfluss auf die Conversion Rate. Deswegen muss Design, Kundenerlebnis und Nutzerführung verständlich sein, damit es funktioniert.“

Bei der Online-Shop-Gestaltung ist die Nutzerfreundlichkeit natürlich ein sehr wichtiger Aspekt. Welche Dinge sind aus Sicht eines Designers essentiell für eine gute Nutzerführung?

Ganz klar ein ausgewogenes Design. Natürlich müssen Navigation und Grafiken das gesamte Produkt unterstützen, aber grundsätzlich sollte ein ausgewogenes Verhältnis herrschen und die Seiten nicht überladen wirken. Auch der Weißraum ist wichtig, denn er gibt dem Betrachter die Möglichkeit, das Ganze auf sich wirken zu lassen. Hat ein Online-Shop ein schlechtes UX-Design, sinkt das Vertrauen der Nutzer und der Shop wird im schlimmsten Fall nicht mehr besucht. Daher sollte beim Design immer auch gefragt werden, wie ich den Kunden unterbewusst am besten durch die Seite führe.

Worauf achtest du besonders, wenn du eine Shop-Seite zum ersten Mal siehst?

Ich achte natürlich zuerst auf das Design, dabei spielt der ganze Prozess, mit dem ich ein Design selbst entwickle, eine Rolle. Ich kann mir beispielsweise Shopseiten oder Plakate nicht mehr ansehen, ohne dass mir nicht sofort Gedanken zur Optimierung und Verbesserung kommen. Gerade, wenn ich mir die Designs großer Unternehmen ansehe, versuche ich den Entstehungsprozess der Designs und die Arbeit der dahinterstehenden Designteams zu verstehen.

Du arbeitest natürlich nach Kundenwünschen. Wie gehst du vor, wenn sich Anfragen manchmal nicht so einfach umsetzen lassen?

Grundsätzlich ist in der Design- und Konzeptionsphase natürlich alles möglich, daher gibt es zunächst auch erstmal nur Vorschläge. Die Freiheit beim Design ist hier ein großer Vorteil. Hat ein Kunde jedoch Wünsche, für die eine technische Umsetzung schwierig bis gar nicht realisierbar ist, muss das klar kommuniziert werden. Es hilft, ein Gefühl für die Herausforderungen des Kunden und für die Ansprüche der Zielgruppe des Online-Shops zu entwickeln. Manche Designs funktionieren jedoch aufgrund von technischen Komponenten nicht. Dann ist es immer sinnvoll, eine vernünftige Gestaltungs-Alternative mit sauber durchdachtem Konzept vorzuschlagen, mit dem sie sich konstruktiv auseinandersetzen können.

Wie gehst du vor, wenn du das UX-Design eines Online-Shops entwickelst?

Die Konzeption ist sehr stark vom Projekt abhängig. Zunächst mache ich mir Gedanken zur Zielgruppe und überlege, was diese Nutzer in einem Online-Shop erwarten. Anschließend folgen Gedanken zum Branding der Firma, zur Usability und wie Glaubwürdigkeit vermittelt werden kann. Denn wenn der Online-Shop nicht das Gefühl gibt, dass man dem Betreiber vertrauen kann, dann verkauft der Shop leider auch nicht – ganz einfach. Danach betrachte ich die Technologie-Basis und analysiere die Konkurrenten.

Das klingt zunächst nach sehr viel Analyse und Theorie. Wann beginnst du mit den ersten Designentwürfen?

Das stimmt, denn erst nachdem diese Punkte klarer sind, nehme ich mir Stift, Papier und Kaffee zur Hand und scribble. So visualisiere ich alle Ideen und schaffe Platz für Neues im Kopf. Dann baue ich Wireframes auf, um das Design auf das Wesentliche zu reduzieren und vereinfacht abzubilden. Dies ist der Rahmen, mit dem ich das Optische sowie das Kundenproblem erfassen kann und den ich anschließend in einem UX-Design­Tool als Prototyp nachbaue. Hier wird er mit allen weiteren Komponenten bis zum fertigen Entwurf gefüllt. Dafür eignet sich etwa eine cloudbasierte Software, über die man auch gemeinsam im Team arbeiten kann.
UX-Designer beim Scribblen

Sven Greifendorf beim Scribbeln

Wenn jemand einen neuen Online-Shop erstellen lassen möchte, welche drei Top-Tipps zum Design würdest du ihm geben?

Erstens: Kennt eure Zielgruppe. Zweitens: Nutzt das richtige Shopsystem, das die Ansprüche des Designs aufnehmen kann. Hierfür ist es sinnvoll, bereits eine grobe Version des Designs im Kopf zu haben, um das System danach auszusuchen. Drittens: Vertraut auf das Wissen von Designern mit guter Ausbildung  und lasst euch von Profis helfen, bevor ihr es selbst versucht.

Vielen Dank für das Interview.

Im zweiten Teil des Interviews geht Sven weiter auf die Online-Shop-Gestaltung und Design-Trends ein.