2. Teil zum E-Commerce-Projekt mit der Systemauswahl - Hinweis auf Titel und Icon sowie Bild eines Mannes bei der Analyse

Haben Sie bereits das Zielvorhaben und den Projekttyp bestimmt, geht es in diesem Teil auf dem Weg zum erfolgreichen E-Commerce-Projekt um die entscheidenden Faktoren bei der Systemauswahl. Welche System-Architekturen gibt es, zwischen welchen Betriebsformen sollten Sie sich unter Berücksichtigung Ihres Zielvorhabens entscheiden und zuletzt: Welches Kostenmodell passt zu Ihnen? Hier finden Sie das Wichtigste zusammengefasst.

Themenreihe: In 4 Schritten zum erfolgreichen E-Commerce-Projekt

  1. Die Ermittlung Ihrer Ziele und des Bedarfs
  2. Die Einordnung des Vorhabens
  3. Die Wahl des richtigen Shopsystems
  4. Die Suche nach geeigneten Projektpartnern

Grenzen Sie die entscheidenden Faktoren bei der Shop-Systemauswahl ein

In diesem Schritt geht es darum, eine schnelle und zu den eigenen Anforderungen passende Entscheidung hinsichtlich des Shop-Systems zu treffen. Mit der zunehmenden Anzahl an Systemherstellern auf dem Markt, die sehr viele ähnliche Technologien für bestimmte Anforderungen anbieten, ist dies tatsächlich nicht einfach. Für eine erste Sondierung empfehlen wir daher, zunächst genauer auf die Technologien selbst zu schauen und wie diese aufgebaut sind. Die verschiedenen Systeme lassen sich dabei grob in drei Kategorien der Systemarchitektur einteilen: Monolithische Systeme (oft auch als „coupled“ bezeichnet), Headless Systeme und zuletzt Frameworks.

„Coupled“ oder Monolithisches System

Als monolithisches System bezeichnet man einen Aufbau, bei dem das Backend fest mit einer Template Engine verbunden ist, die das Frontend und somit die Storefront erzeugt. Mittels Template Engine lassen sich hier verschiedene Storefronts für die unterschiedlichen Online-Shops erstellen.

Schematische Ansicht eines coupled oder auch monolithischen systemaufbaus

Grafik 1: Schematische Darstellung eines „Coupled“ Systems

Schematische Ansicht eines headless systemaufbaus

Grafik 2: Schema eines Headless-Systems

Headless-System

Ein Headless Shop-System verfügt ebenfalls über ein fest vorgegebenes Backend. Das Frontend ist jedoch damit nicht mehr direkt, sondern über eine API (Schnittstelle) verbunden. Die Headless-Architektur ist bereits flexibler, da eine vorhandene Template Engine genutzt werden kann oder die eines Drittanbieters kommt parallel zum Einsatz. Die Daten aus dem Backend lassen sich über die APIs an verschiedenste Frontends, wie beispielsweise Applikationen, ausspielen und werden zentral im Backend verwaltet.

Framework

Ein Framework ist vergleichbar mit einem Baukasten, bei dem alles miteinander lose verknüpft ist und die unterschiedlichen Funktionen mittels APIs angebunden werden können, oft wird dies auch mit “Composable Commerce” benannt. Ein Framework ist von diesen drei Architekturen die flexibelste, um speziell individuelle Prozesse abzubilden. Durch die Freiheiten bei der Konfiguration des Systems muss andererseits ein großer Initialaufwand eingeplant werden, bevor das System reibungslos funktioniert.

Schematische Ansicht eines framework Aufbaus

Grafik 3: Schematische Darstellung eines Frameworks

Die Auswahl der Systemarchitektur

Bei der Wahl der Systemarchitektur ist beispielsweise die Bewertung der Flexibilität des Systems entscheidend. Unflexible Systeme können künftige, notwendige Anpassungen verhindern. Hier sollte realistisch abgeschätzt werden, ob noch Potenzial zur Weiterentwicklung und somit zu mehr Flexibilität besteht. Setzen Sie eher auf ein System mit sehr viel größeren Freiheiten bei der Anpassung, sollten Sie gleichzeitig die höheren anfallenden Kosten dafür einkalkulieren. Schätzen Sie daher die unbedingt notwendige Flexibilität vorab sehr gut ab, um Mehrausgaben zu vermeiden und Ihre Anforderungen abzudecken.

Schritt 3 – Wählen Sie das Shopsystem nach Ihren Zielvorhaben

Wie so oft bei diesen Einteilungen gibt es natürlich auch Überschneidungen bei den Systembetrieben. Für eine weitere Eingrenzung sind daher die verschiedenen Shop-Funktionen und auch die unterschiedlichen Support-Angebote der Hersteller als weitere Faktoren einzubeziehen. Neben den Vor- und Nachteilen der einzelnen Systeme hängt die Wahl grundsätzlich sehr stark von Ihren konkreten Anforderungen an den Online-Shop ab. Daher möchten wir zur besseren Orientierung ein paar Beispiele nennen.

Beispiel 1: Geradlinigkeit und minimale Anforderungen führen oft zum monolithischen System

Ein monolithisches System kann bei kleinem Anforderungsumfang Ihre Lösung sein. Dieser ist gegeben, wenn Sie nur ein Lager haben und einen Warenkorb im Online-Shop verwalten müssen. Zugleich gibt es nur einfache Sendungen ohne variierende Bestellzeiten und ohne eine Verfügbarkeitssteuerung.
Einfache Anforderungen können gut durch ein einfaches System abgedeckt werden. Hier gibt es gute SaaS-Angebote, also Systeme, die „as-is“ genutzt werden können sowie über Konfiguration und fertige Erweiterungen ergänzt werden und die in ihrem Rahmen durchaus grandiose Leistung bieten (Beispiel: Shopify).

Beispiel 2: Verschiedene Vertriebskanäle und zentrale Datensteuerung/-verwaltung

Sollen die Daten (Produkte, Bestellungen, Kunden etc.) dem Shop-System und auch für andere Vertriebskanäle verfügbar sein? Möchten Sie Bestellungen aus anderen Quellen – z. B. Social Shopping – im Online-Shop verarbeiten, dann kann Headless der richtige Ansatz für Sie sein. Diese E-Commerce-Lösung eignet sich für den zukünftigen Ausbau Ihrer Systemlandschaft wie zum Beispiel für die Anbindung neuer Systeme oder Frontends. (Headless-Shopsysteme sind zum Beispiel Shopware 6 oder Shopify+)

Beispiel 3: Exakte Abbildung von sehr flexiblen Prozessen

Frameworks lassen sich zielgenau für spezielle Handelsprozesse einrichten und ermöglichen die Ansteuerung verschiedenster Drittsysteme, um die vielfältigen Entscheidungen abzubilden. Ein Beispiel ist etwa der Verkauf von Mobilfunkverträgen, für die die unterschiedlichsten Vertragsoptionen im Frontend dargestellt werden müssen. Frameworks eignen sich daher am ehesten für komplexere Handelsgeschehen.
Die Grenze, was “komplexeres Handelsgeschehen” ist, kann dabei fließend sein. Als Faustregel lässt sich am ehesten x^y (X to the power of y, X hoch Y) nennen, wenn im Handelsgeschehen die Anzahl der Dimensionen zunimmt – X verschiedene Sortimente und X verschiedene Kanäle in X verschiedenen Ländern mit X verschiedenen Beständen versendet durch X verschiedenes Versenden aus X verschiedenen Lagern… (Beispiel: Commercetools)
Anhand dieser Beispiele sollte die Zuordnung Ihrer Ziele und damit die Wahl der Shopsystem-Architektur etwas erleichtert werden. Gerne beraten wir Sie bei konkreten Fragen zu Ihrem individuellen Vorhaben auch persönlich.

Die Einordnung von Shop-Systemen nach Betriebsart

Zur Erfüllung Ihrer Anforderungen können Sie sich ebenfalls zwischen verschiedenen Betriebsformen des Shop-Systems entscheiden. Je nachdem, auf welchen Systembetrieb und entsprechenden Provider Ihre Wahl fällt, kann das Einfluss auf den Standort der Server haben, auf denen das Shopsystem betrieben wird. Der Serverstandort ist dann wichtig, wenn in einem zur EU-zugehörigen Land Handel betrieben wird und die DSGVO-Konformität für europäische Online-Shops einzuhalten ist. Die Wahl des Systembetriebs beeinflusst ebenso, wie viele Freiheiten Sie bei der Konfiguration haben und welche Sicherheitsvorkehrungen bereits umgesetzt beziehungsweise vorkonfiguriert sind.
On Premise - schematische Darstellung eines Unternehmens indem die Icons für Arbeitsplatz, Support und Server gemeinsam liegen
Private Cloud - Schema mit 3 Arbeitsplätzen im Unternehmen, die auf einen Server in der Cloud zugreifen können
Cloud Platform - Schema, das 3 Arbeitsplätze im Unternehmen links zeigt, die per Cloud-Verbindung auf einen ihnen zugewiesenen Serverteil zugreifen können

On Premise

Mit On Premise können Sie den Server ganz nach Ihren Wünschen konfigurieren und nutzen, da der Betrieb ganz bei Ihnen liegt und in Ihrer Infrastruktur stattfindet. Ein entsprechender Mehraufwand bei der ersten Einrichtung ist dabei zu erwarten. Bekannte Anbieter von On-Premise-Lösungen sind zum Beispiel Hybris, Shopware und Spryker.

Private Cloud

Bei der Private Cloud übernimmt der Dienstleister (Provider) den Betrieb. Jedes Shop-System erhält dabei auf einem geteilten Server seine individuelle Umgebung, die entsprechend den eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden kann. Die Serverwartung und Pflege liegen hier ganz in den Händen des Providers, aber es lässt kundenseitig ausreichend Spielraum zur individuellen Konfiguration. Viele Anbieter bieten ebenso diese Option an, als Beispiel kann hier iShop von novomind genannt werden.

Cloud Plattform

Hauptverantwortlich für den Betrieb, den Funktionsumfang und die Wartung ist der Dienstleister, der Leistungen und Sicherheitsvorkehrungen zur Verfügung stellt. Spezielle Anforderungen, z. B. Standortwahl oder DSGVO-Konformität, können nur im vom Provider vorgegebenen Rahmen umgesetzt werden. Mit diesem SaaS-Modell (Software-as-a-Service) arbeiten beispielsweise Shopware, Salesforce und BigCommerce.
Zeigen sich hier bereits Unterschiede hinsichtlich eigener Konfigurationsmöglichkeiten, gibt es darüber hinaus ebenso Mischformen bei der Betriebsart. So können On-Premise-Systeme beispielsweise auch Cloud-Betrieb ermöglichen. Oder Provider bieten bestimmte Leistungspakete an, aus denen sich zusätzliche Möglichkeiten für den Betrieb Ihres Shop-Systems ergeben.

Tipp: Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen beachten Sie die Wechselkonditionen der Provider bei der Betriebsart. So wissen Sie bereits im Vorfeld, unter welchen Bedingungen Sie den Betrieb des Online-Shops ändern können.

Betriebsauswahl ist abhängig vom Einsatz

Beim Systembetrieb wird häufig dann eine Cloud-Lösung gewählt, wenn es um Vereinfachungen geht und keine schnellen Veränderungen, zum Beispiel bei Leistungsspitzen, im Betriebsablauf erforderlich sind.
Der On-Premise-Betrieb eignet sich gut beim Einsatz für internationale E-Commerce-Lösungen. Hier kann neben dem Betrieb im Heimatland auch im Zielland eine entsprechende Infrastruktur aufgestellt werden. Die Kosten sind dafür jedoch vergleichsweise hoch.
Hinsichtlich Cloud- oder Plattformbetrieb sehen wir jedoch noch Handlungsbedarf, da bisherige Lösungen Shopbetreiber selten selbst befähigen, aktiv in den Betrieb eingreifen zu können. Gerade mit Blick auf die Konkurrenz und die hohen Nutzeransprüche ist es wichtig, einen in jeder Hinsicht performanten Online-Shop zu haben, der auch unter Hochlast einwandfrei läuft.

Anforderungen an die Betriebsform definieren

Am Ende hängt die Entscheidung für eine Betriebsform auch von den Anforderungen an das System hinsichtlich der Leistungsfähigkeit ab. Nützliche Fragestellungen, die zu beantworten sind und bei einer genaueren Eingrenzung helfen:
  • Können der Betrieb und die Wartung des Servers von der internen IT-Abteilung übernommen werden?
  • Wie stark möchten Sie selbst in die Konfiguration der Servereinstellungen eingreifen können?
  • Welche Sicherheitsvorkehrungen benötigen Sie?
  • Wie viele und wie hohe Leistungsspitzen (Peakzeiten) sind aufgrund von Events oder Ähnlichem für ihren Online-Shop zu erwarten?
  • Welche Anforderungen haben Sie hinsichtlich der Bestellprozesse?

Betriebsformen nach Kosten unterscheiden

Bei der Kosteneinordnung für die Nutzung und den Betrieb von Shop-Systemen gibt es drei gängige Preismodelle:

Lizenz

Es kann eine einmalige Lizenz erworben werden, die besonders zu Beginn einen hohen finanziellen Aufwand erfordert. Für die Wartung der Serverumgebung und des Systems können weitere Wartungsgebühren fällig werden. Das Lizenzmodell eignet sich, sobald Sie Abschreibungen der Kosten wünschen.

Subskription (Subscription, Pläne)

Das zweite Modell ist die Subskription, bei der in zeitlichen Abständen regelmäßig Nutzungsgebühren zu entrichten sind. Gerade bei einer langen Nutzungsdauer kann dieses Modell teuer werden. Arbeiten Sie im Unternehmen bevorzugt mit laufenden Kosten, ist eines der Subskriptionsmodelle empfehlenswert.

Nutzungsabhängige Subskription

Beim dritten Fall handelt es sich um eine nutzungsabhängige Subskription. Hierbei wird eine Gebühr abhängig von der tatsächlichen Nutzungsdauer ermittelt, die regelmäßig für die Technologie gezahlt werden muss. Sie kann zum Beispiel von der Menge an durchgeführten Transaktionen im Online-Shop abhängig sein.

Unsere Empfehlungen zum Shop-System

Unserer Erfahrung nach sind monolithische Systeme für ein klassisches Handelsgeschehen und der Headless-Ansatz für die Anbindung an Handelsplattformen geeignet. Müssen beim Handel spezifische Anforderungen erfüllt und durch den Online-Shop abgebildet werden, kann das Framework eine sinnvolle Alternative sein. Ein Cloud-Betrieb mit variablen Leistungsplänen eignet sich am ehesten für den sehr häufig auftretenden Fall, extreme Peak-Zeiten mit hohen Besucherzahlen bei Events abzufangen.

Die Entscheidung für ein bestimmtes Shop-System kann sich ebenfalls am Service-Angebot des jeweiligen Standorts orientieren. Benötigen Sie ein Shop-System für den deutschen Markt, sollte der Hersteller mit den Anforderungen des deutschen Markts vertraut sein und für diesen auch Hilfestellungen anbieten können.

Weitere Faktoren bei der Systemauswahl

Mithilfe dieser Zusammenfassung sollten Sie bezüglich Systemwahl und Betriebsform einen guten Überblick erhalten haben und durch das Ausschlussprinzip eine erste Eingrenzung vornehmen können. Beachten Sie außerdem, dass Sie zukünftige Entwicklungspläne in Ihre Überlegungen einbeziehen. Wie Sie ihr Projekt planen sollte daher auch berücksichtigen, was Sie im Anschluss vorhaben und inwiefern das fertige Projekt dafür die Grundlage sein kann.

Zum Abschluss dieses Themenkomplexes sind weitere Faktoren zu nennen, die bei der Realisierung Ihres Shop-Projekts wesentlich sind. Dazu zählen zum Beispiel Entscheidungen bezüglich Funktionalitäten, Drittanbieter und der technischen Umsetzung, die hier kurz zusammengefasst sind.
Auflistung weiterer Systemauswahlkriterien in 3 Bereiche unterteilt: Funktionen, Drittanbieter, Aufgaben für Agentur

Grafik 7: Übersicht zu weiteren Faktoren bei der Auswahl des Shopsystems

Wir haben Ihnen hier einen möglichst umfassenden Überblick über die wesentlichen Faktoren und entsprechende Denkanstöße gegeben, um Sie bei den Entscheidungen zum Shopsystem zu unterstützen. Natürlich unterscheiden sich Ausgangslage und Zielvorhaben bei jedem Unternehmen, weshalb die Projektkonzeption daher immer im Einzelfall betrachtet werden sollte.

Im nächsten Teil der Themenreihe zum erfolgreichen E-Commerce-Projekt haben wir wichtige Fragen zusammengestellt, die Sie bei der Suche nach den passenden Systemen sowie Partnern unterstützen sollen. Für professionelle Unterstützung können Sie sich gerne auch unverbindlich an unsere E-Commerce-Experten wenden.

Alle Informationen zum Thema gibt es auch hier gebündelt in unserer Aufzeichnung zum Webinar mit dem bevh „Wie der Online-Shop-Relaunch gelingt“.